Gerd Koslowski
Als studierter Politikwissenschaftler (Köln, Los Angeles) habe ich als Redenschreiber in einem Bundesministerium begonnen. Nach zwei Jahren zog es mich in die Wirtschaft, wurde Chefredenschreiber des Vorstandsvorsitzenden der Bertelsmann AG. Nachfolgend dann Stationen als Leiter Unternehmenskommunikation bei Bertelsmann, Kaufhof, Quelle, Karstadt, Arcandor. Seit 2010 bin ich selbstständig mit meiner Agentur GKU - Beratung für Unternehmenskommunikation.
Website: http://www.gku-pr.de/
Email: koslowski@gku-pr.de
Welchen Redner bewundern Sie am meisten?
Bischof Dr. Wolfgang Huber
Ihre Lieblingsrede in der Geschichte?
"I have a dream" - Martin Luther King
Welche Eigenschaften schätzen Sie an denen, für die Sie schreiben, am meisten?
Denn sie wissen, was sie wollen...
Für wen würden Sie gerne einmal eine Rede schreiben?
Für alle Unerhörten, die in dieser Welt eine Stimme brauchen.
Gibt es Redner, für die Sie nicht schreiben würden,
oder Redethemen,
die Sie ablehnen?
Ich schreibe nur für Redner, die auf der Basis von Demokratie, Rechtstaat und Menschenrechten stehen.
Wie sind Sie zum Redenschreiben gekommen?
Das wichtigste Produkt in der Politik ist die Kommunikation. Die höchste Form der persönlichen Kommunikation ist die Rede. Das hat mich in den Bann gezogen.
Beschreiben Sie Ihre Tätigkeit als Redenschreiber in einem Satz:
Ein Redenschreiber ist ein Wegbereiter.
Wann ist für Sie eine Rede gelungen?
Sie muss rund sein: Dem Thema angemessen, der Zeit auch, dem Redner auf den Leib geschnitten, das Publikum überraschend, in der Struktur klar, in der Argumentation anspruchsvoll, aber einfach, in der Rhetorik dem Anlass entsprechend, nicht abgehoben, übertrieben, arrogant.
Warum würden Sie Menschen in verantwortungsvoller
Position empfehlen,
mit einem Redenschreiber zusammenzuarbeiten?
Eine Rede ist eine Spezialität. Eine besondere Handwerksform. Ein bisschen Kunst auch. Die Redenschreiberei ist ein kreativer intelektueller Prozess. Wer Spaß, Talent und Zeit dafür hat, soll es ruhig selbst versuchen. Alle anderen sind besser beraten, sich beraten zu lassen.
Warum würden Sie einem jungen Menschen empfehlen, Redenschreiber zu werden?
Man hat nur mit führenden Köpfen zu tun; andere Köpfe halten selten Reden. Das ist eine enorme Herausforderung, denn der Redner möchte für sich selbst nur das Beste. Schließlich steht ER später am Pult, ganz persönlich. Die Redenschreiberei ist eine Arbeit auf Augenhöhe. Zumindest für diesen einen Auftrag...
Warum würden Sie abraten?
Eine kreative intelektuelle Arbeit, meist unter Zeitdruck, ist sehr anstrengend. Oftmals ist sie auch einsam. Manchmal eine Quälerei. Das muss man aushalten können. Grundsätzlich würde ich dann abraten, wenn der Redenschreiber entweder kein Talent und Weitblick besitzt oder wenn er lieber selbst vorne am Rednerpult stehen würde. Ein Redenschreiber ist ein Dienstleister. Basta.
Der größte anzunehmende Unfall (GAU) für einen Redenschreiber?
Zwei GAU-Szenarien, beide etwa gleich schlimm:
1. Der Redner hält die Rede ohne Änderungen. Das heißt, er hat sich die Rede nicht zu eigen gemacht. Das kann nicht gut gehen.
2. Der Redner ändert die Rede in letzter Minute total: Sprache, Struktur, Argumente - und liest sie dann ab. Dann bricht am Rednerpult das Chaos aus. Frei reden geht dagegen immer.
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