Historie des VRdS
Der Verband der Redenschreiber deutscher Sprache ist ein vergleichsweise junger Verband.
Über die Gründe, die zur Einrichtung des Verbands führten, schreibt der heutige Ehrenpräsident Thilo von Trotha in einer Chronik zu 10 Jahren VRdS 2008:
"Viele der Männer und Frauen, die die Worte und Gedanken der Führungseliten der Republik vorformulieren, beschrieben ihre Arbeitspraxis als abgeschnitten von der Kollegenschaft. Alleine gelassen sitzen sie in Räumen, die sie ‚Hinterstübchen' nennen. Eingeklemmt zwischen dem Misstrauen der Linie und der Ein-Achtel-Zugehörigkeit zum Stab. "Wir leben wie die Kühe, die im Stall gemolken werden, aber nicht in den Salon dürfen." (...)Ich habe mein Leben lang vermieden, Vereinen beizutreten. Aber plötzlich fühlte ich mich beauftragt, einen Verband der Redenschreiber zu gründen. Aber wie macht man das? Zunächst kaufte ich mir das Büchlein "Mein Verein und ich". Ein erstes Konzept ging an alle Seminarteilnehmer der letzten Jahre zur kritischen Stellungnahme. Der vorherrschende Grundton im lebhaften Echo war: macht keinen rein deutschen Verein, sondern einen grenzüberschreitenden. Um Österreich und die Schweiz mit an den Tisch zu bekommen, entstand der etwas monströse Name: Verband der Redenschreiber deutscher Sprache."
Über die Ziele heißt es in der Chronik des Verbandes:
"Von Anfang an standen zwei Ziele im Mittelpunkt der Arbeit. Erstens: die Interessenvertretung der Redenschreiber. Der relativ wenigen selbständigen ebenso wie der in Ministerien, Verbänden und Unternehmen angestellten. Redenschreiber wollen sich selbstbewusst der Öffentlichkeit zeigen. Sie wollen sich untereinander vernetzen. Sie wollen sich gegenseitig helfen. Und sie wollen sich hier und da auch wechselseitig trösten. Zweitens: die Verbesserung der Redekultur in Deutschland. Das in Sachen "Reden" Entwicklungsland Deutschland heranzuführen an das Niveau in England, Amerika oder Frankreich. (...) Aus dem wechselseitigen Bezug des Praktisch-Nützlichen auf der einen Seite und des Gesellschaftlich-Fördernden auf der anderen soll der Verband seine Vitalität und Daseinsberechtigung ziehen."
Wegmarken seit der konstituierenden Sitzung 1998
Zur Gründungsversammlung am 18. Juli 1998 im Hotel Günnewig "Residenz" in der Kaiserstraße in Bonn erscheinen 39 Verbandsmitglieder in spe. In der konstituierenden Sitzung wird Thilo von Trotha zum Präsidenten gewählt; Minita von Gagern wird Vizepräsidentin, Schatzmeister Udo Kessler, Schriftführer Willi Vogler. Vier Tage später präsentiert sich der Verband im Bonner Presseclub den Journalisten. Und die Initiatoren des Verbandes staunen über die Resonanz, wie der Verbandschronik zu entnehmen ist: "Der Andrang war so groß, dass der Raum die Journalisten kaum fassen konnte: das Sommerloch ist eine gute Zeit für erhöhte Aufmerksamkeit. Entsprechend das Presseecho unter Schlagzeilen wie: "Organisierte Schöngeisterei", "Fremde Federn organisieren sich", "Endlich das Schattendasein überwinden", "Raus aus der Geisterecke", "Redenschreiber als Dienstleistungsberuf", "Club der schreibenden Geister", "Ghostwriter machen mobil", "Sie legen Promis die Worte in den Mund", "Die Geisterschreiber suchen das Licht der Öffentlichkeit", "Geisterkabinett", "Redenschreiber auf dem Vormarsch" haben wahrscheinlich alle Zeitungen Deutschlands über den VRdS und seine Pläne berichtet. Die Pressemappe wiegt mehr als ein Kilo.
Bei der ersten Mitgliederversammlung in einem Hotel in Königswinter am 24. April 1999 zählt der Verband bereits 125 Mitglieder: 50 Frauen und 75 Männer.
Und das Wachstum geht weiter: Bei der Mitgliederversammlung rund ein Jahr später am 27. Mai 2000 in Frankfurter AirportConference Center sind es schon 180; die Vorstandswahlen ergeben: Thilo von Trotha Präsident, Minita von Gagern Vizepräsidentin, Willi Vogler Schriftführer, Günter Stein Schatzmeister, Gerd Koslowski Öffentlichkeitsarbeit. Als Kassenprüfer werden Erika von Bülow und Veit Schäfer gewählt.
Am 6. September 2000 lädt der VRdS zudem zu seinem ersten Kongress. Unter dem programmatischen Titel "Rede ist Führung" liefern prominente Redner wie BDI Präsident Olaf Henkel und Bundesaußenminister a.D. Hans-Dietrich Genscher auch manche Argumente dafür, warum Deutschland gute Redenschreiber braucht. Ganz undiplomatisch der Rat des früheren Bundesaußenministers: "Seien Sie nicht so bescheiden mit Ihren Honoraren."
Im folgenden Jahr kann bei der Mitgliederversammlung neben dem Mitgliederwachstum auf jetzt 252 Verbandsmitglieder auch über eine besssere Verankerung in den Bundesländern berichtet werden: In Hamburg, Berlin, Mänchen und Frankfurt haben sich Regionalverbande gebildet. Nicht allen gelingt es, dauerhaft eine echte Bindungskraft auszuüben. Noch eine Neuigkeit: Dr. Vazrik Bazil wird in den Vorstand kooptiert.
Am 27. April 2002, diesmal trifft sich die Mitgliederversammlung in einem Münchner Traditionslokal, zählt der Verband bereits 288 Mitglieder. Im Internet ist der Verband mittlerweile mit einer eigenen Internetpräsenz vertreten, und, in dieser Hinsicht beweist die Chronik Sinn fürs Detail, "unter den Mitgliedern ist der Vorname Michael 9x, Peter 7x und Thomas 6x vertreten."
Zwei Jahre später stehen wieder Vorstandswahlen an. Bei der Mitgliederversammlung am 24. April 2004 in der Berliner Repräsentanz der RAG wird der Vorstand in seiner Zusammensetzung einstimmig bestätigt. 387 Mitglieder zählt der VRdS mittlerweile.
Das Wachstum setzt sich weiter fort: Bei der Mitgliederversammlung im Haus der Geschichte in Bonn am 6. Mai 2006 hat der Verband 421 Mitglieder - und bekommt einen neuen Vorstand:
Minita
von Gagern wird Präsidentin, Thomas Maess Vizepräsident, Natja Denk
Schriftführerin, Joachim Lang Kassenwart, Vazrik Bazil kümmert sich um
Kooperationen, Alexander Ross engagiert sich in der
Öffentlichkeitsarbeit. Thilo von Trotha wird zum Ehrenpräsidenten
gewählt.
Inzwischen wird der Arbeitskreis "Sprache und Unternehmenskommunikation" gemeinsam mit der Deutschen Public Relations Gesellschaft ins Leben gerufen. Mit den Kollegen aus dem Berufsverband der PR-Leute beauftragt der VRdS das Institut für Demoskopie Allensbach mit einer Studie über die Wirkung von Inhalt, Stimme und Körpersprache. Ein Ergebnis: Die häufig verbreitete Einschätzung, auf die Inhalte einer Rede komme es weitaus weniger an als auf Stimme und Körpersprache, ist unzutreffend.
Auf der Mitgliederversammlung am 31. Mai 2008 in Remagen-Rolandseck feiert der Verband sein 10jähriges Jubiläum und gibt aus diesem Anlass eine Jubiläumsschrift heraus. Als Gastredner widersteht der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki der Versuchung, allzu lobende Worte über die Redekunst zu verlieren. Insgesamt würden viel zu viele Reden gehalten, und schon die erste, an die er sich gut erinnern könne, die berühmte Rede, die Shakespeare Marc Anton halten lässt, sei geeignet gewesen, Misstrauen gegen die Rhetorik zu wecken: "Die Rede ist gut, aber sie ist von Beginn an gelogen."
Alexander Ross tritt als Pressesprecher zurück und an seine Stelle kommt Claudius Kroker. Der Verband wird als Interessenvertreter beim Bundestag akkreditiert. Das Mentoring-Programm nimmt konkrete Gestalt an und Vazrik Bazil bildet gemeinsam mit Natja Denk und Thomas Maess eine Expertengruppe, um den Auftritt der Spitzenkandidaten auf der Bundestagswahl 2009 auszuwerten. Das Ergebnis findet ein großes Echo.
Die Mitgliederversammlung wählt am 29. Mai 2010 in Frankfurt am Main einen neuen Vorstand: Dr. Vazrik Bazil (Präsident), Harald Prokosch (Vizepräsident), Claudius Kroker (Pressesprecher), Jann Gerrit Ohlendorf (Strategie), Natja Denk (Schriftführerin), Jochim Lang (Schatzmeister).
Das erste VRdS-Barometer erscheint im November 2010. Die Umfrage unter den Verbandsmitgliedern fördert zwei wesentliche Trends zutage: Zum einen werden Redeaufträge in den vergangenen fünf Jahren immer häufiger vergeben, d.h. offensichtlich gewinnt das Kommunikationsinstrument Rede an Bedeutung. Zum anderen haben Ghostwriter heute in der Regel direkten Zugang zu den Rednern selbst und werden auch in deren Umfeld offiziell als Redenschreiber vorgestellt.
Der 5. VRdS-Kongress unter dem Titel "Klartext - Wie viel Wahrheit vertragen wir?" findet in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften statt. Rund 200 Teilnehmer hören und diskutieren am 8. September 2011 die Reden zum Thema von Franz Müntefering, Professor Otfried Höffe und Klaus Engelhard. Zu den Gesprächspartnern des Moderatorenduos Natja Denk und Harald Prokosch gehören am Nachmittag der Spiegel-Journalist Jan Fleischhauer, die Soziologin Necla Kelek sowie Dirk Metz, Kommunikationsexperte und ehemaliger Sprecher der hessischen Landesregierung unter Roland Koch.
In Zusammenarbeit mit der Universität Koblenz-Landau veröffentlicht der VRdS im November 2011 eine Studie über das Bürgerbild in den Reden deutscher Politiker. Die Studie findet viel Beachtung in den Medien und wird auf diversen Veranstaltungen vorgestellt und diskutiert.
Die Mitgliederversammlung wählt am 5. Mai 2012 zum neuen Vorstand: Dr. Vazrik Bazil (Präsident), Harald Prokosch (Vizepräsident), Claudius Kroker (Pressesprecher), Jacqueline Schäfer (Schriftführerin), Caroline Waldeck (Schatzmeisterin). Der Verband zählt nun 460 Mitglieder. Erfreulich ist auch die gute Entwicklung des Mentoring-Programms, in dem inzwischen 9 Paare erfolgreich zusammenarbeiten.
Ansprechpartner:
Dr. Thilo von Trotha
Ehrenpräsident VRdS
Auf der Steinkaule 7
D-53639 Königswinter
Email: trotha@vrds.de

