Frisch im Netz
Lesetipps Die weite Welt des Ghostwriting, die hohe Kunst der Sprache: aktuelle Links, zusammengestellt von VRdS-Mitglied Thomas Östreicher, Redenschreiber in Hamburg. Anregungen und Meinungsäußerungen zu dieser Seite bitte an th.oestreicher@redenschreiber-hh.de - danke! Zuletzt aktualisiert am 2.5.2010
Mai 2010
"Komiker" gilt im politischen Betrieb hierzulande als Schimpfwort - in den USA präsentiert sich der Präsident gern einmal jährlich als Alleinunterhalter, und Barack Obama überzeugte die prominenten Gäste mit seiner Rede beim Korrespondenten-Dinner in Washington, wie Spiegel Online notiert. Kostprobe: "Seit seinem ersten Auftritt beim Dinner der Journalisten-Elite vor einem Jahr habe es durchaus Enttäuschungen gegeben, berichtete der Präsident. So sehr habe er auf den Nobelpreis in Physik gehofft, sagte der Friedensnobelpreisträger. ´Aber hey - man kann sie nicht alle haben!´ Überhaupt sei es immer auf und ab gegangen - mit Ausnahme seiner Umfragewerte. Die Witze des Abends würden diesmal von den Investmentbankern von Goldman Sachs gesponsert, scherzte Obama. ´Machen Sie sich keine Sorgen, die machen immer Geld - egal ob man lacht oder nicht.´"
April 2010
Anlässlich der Enttarnung der Abschriftstellerin Helene Hegemann fragt die Badische Zeitung: "Wie kommt man dem Ideenklau auf die Spur?" Sie gibt sogar Antworten in Form von Webseiten und Softwarelösungen zum Aufspüren von Textplagiaten.
März 2010
"Kaum einer kann es, aber alle müssen es: Wenn deutsche Politiker Reden halten, macht sich meist Langeweile breit. Dabei gibt es mit Altbundespräsident Richard von Weizsäcker ein leuchtendes Vorbild für ebenso mitreißende wie auch tiefgründige Vorträge." Spiegel Online lobt hymnisch den "Polit-Rhetoriker".
Februar 2010
Spiegel Online rezensiert den Ratgeber einer US-Autorin, die eine erstaunliche Aussage wagt: "PowerPoint-Präsentationen müssen nicht langweilig sein."
Januar 2010
Ratschläge zum richtigen Umgang mit dem "Führungswerkzeug Sprache" hält die Seite managerseminare.de (kostenpflichtig) bereit – mit Tipps "hochkarätiger Experten" sowie Kurzrezensionen hilfreicher Fachbücher.
"Manchmal muss eine perfekte Rede innerhalb von zwei Tagen getextet sein." Die Bundesagentur für Arbeit beschreibt realistisch den Alltag einer Ghostwriterin.
Dem wissenschaftlichen Ghostwriting und den damit zusammenhängenden juristischen Fragen widmet sich die Frankfurter Rundschau.
"Gesucht: ein neuer Willy Brandt." Dessen ehemaliger Schreiber Albrecht Müller erinnert sich bei FAZ.net der besseren Zeiten, als die politische Rede noch Gewicht hatte.
Dezember 2009
Eine gute Nachricht: "Ghostwriter-Vereinbarung nicht immer sittenwidrig" überschreibt die Anwaltskanzlei Hild & Kollegen ihren ausführlichen Kommentar zu einem einschlägigen Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main.
Den seltenen Anlass, dass Ghostwriting auf einer Theaterbühne thematisiert wird, kommentiert die Kölnische Rundschau. Es handelt sich um die Komödie "Roses Geheimnis" des US-amerikanischen Autors Neil Simon.
Der Schweizer Abiturient Tobias Käppeli wollte wissen, wie sich die Rhetorik der Bundes- von jener der Kantonsparlamentarier unterscheidet – und präsentiert der Neuen Schwyzer Zeitung zufolge "erstaunliche Resultate" (die allerdings nur in einer Kurzfassung frei zugänglich sind).
Die Wiener Presse greift noch einmal den in der New York Times erneut publizierten Vorwurf auf, "der deutsche Philosoph Martin Heidegger habe möglicherweise als Ghostwriter für Hitler Reden geschrieben", wie der französische Philosoph Emmanuel Faye im Buch "Heidegger, l\'introduction du nazisme dans la philosophie" behauptete.
Warum Leser keine Anglizismen mögen? Vielleicht weil Umfragen zufolge 60 Prozent der Deutschen kein Englisch sprechen. Die Welt-Kolumne "Wortgefecht" behandelt den immer jungen Streit um Sprachimporte aus dem angelsächsischen Raum. Noch ausführlicher dazu der Spiegel in einer nun online zu lesenden Titelgeschichte aus dem Jahr von 2006 unter der Überschrift "Deutsch for sale", die so eingeleitet wird: "Die deutsche Sprache wird so schlampig gesprochen und geschrieben wie wohl nie zuvor. Auffälligstes Symptom der dramatischen Verlotterung ist die Mode, fast alles angelsächsisch "aufzupeppen"."
November 2009
"Ich bin der Neger vom Neger." Der Schweizer Autor Helmut Maria-Glogger gibt in einem Interview mit dem Online-Portal der Schweizer Kommunikationswirtschaft persoenlich.com Auskunft über seine Tätigkeit als Ghostwriter für die Lebensgeschichte "Ich, der Neger" des männlichen Models Urs Althaus.
Englands Premier Gordon Brown lässt manche seiner Reden von Mitarbeitern der früheren US-Regierung schreiben – ein Skandal? Die Financial Times Deutschland berichtet über eine kontroverse Diskussion beiderseits des Atlantiks.
September/Oktober 2009
Einem Urteil des Frankfurter Oberlandesgerichts zufolge ist eine Ghostwriter-Vereinbarung auch bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen zulässig, berichtet Anwalt.de; der Blog Internet-Law diskutiert die Entscheidung kritisch.
Betrug bei Abschlussarbeiten an der Uni: Eine Ghostwriterin berichtet der Münsterschen Zeitung Einzelheiten.
Suite101, "das Netzwerk der Autoren", stellt den Verband der Redenschreiber deutscher Sprache vor und staunt, dass eine zehnminütige Rede "leicht 700 Euro" koste, warnt aber auch: "Niedrige Honorare für Reden bergen die Gefahr geringer Qualität."
Führende medizinische Fachzeitschriften schließen Ghostwriting eigentlich aus, doch aktuelle Umfragen unter den Autoren belegen eine hohe Quote von Fremdautoren, wie das Ärzteblatt erstaunt zur Kenntnis nimmt. Für die betroffenen Redaktionen sei das ein "vollkommener Schock".
"Wie wird das Ghostwriting in zehn Jahren aussehen?", wagt der Contentprofi Blog einen Ausblick in die Zukunft des Gewerbes mittels eines Rückblicks auf die vergangenen Jahre, verbunden mit der Feststellung: "Grabreden sind inzwischen enorm in Mode gekommen."
"Der Wert des Schweigens wird unterschätzt", überschreibt die Süddeutsche Zeitung ihr Interview mit VRdS-Vorstandsmitglied Vazrik Bazil über die Kultur der politischen Rede in Deutschland.
Politischen Ghostwritern wendet sich Deutschlandradio Kultur im Vorfeld der Bundestagswahl zu. Inzwischen seien "die Fremddenker normaler Bestandteil des Politikbetriebs", heißt es in der Sendung, die akustisch und in Manuskriptform abrufbar ist (als mp3-Datei auch zum Download).
"Die Vergabe von Doktortiteln in Deutschland sollte stärker kontrolliert werden", empfiehlt der Tagesspiegel in einem Bericht über wissenschaftliches Ghostwriting und gekaufte Hochschulabschlüsse. jetzt.de zeigt Verständnis für die Auftraggeber: "Viele Studenten scheitern an der Abschlussarbeit, weil sie nicht rechtzeitig um Rat fragen." Der Internetblog Forschungsmafia schildert detailliert die kriminellen Hintergründe und Der Westen beklagt: "Den Doktor-Eid haben viele Universitäten voreilig abgeschafft."
August 2009
Die einen ertragen ihn kaum, andere verehren ihn. Letzteren liefert der Altjournalist und Sprachexperte Wolf Schneider ("Deutsch für Profis") seine Sprachkritiken nun auch per Video-Kolumne auf sueddeutsche.de. Titel: "Speak Schneider!"
Ein amerikanisches Pharmaunternehmen bezahlte jahrelang Ghostwriter für Fachartikel. Als Autoren wurden dann bekannte Experten aufgeführt, berichtet die Basler Zeitung.
"Wir feilen stundenlang": der Dichter Michael Lentz und der Rapper Jan Delay über den ständigen Wandel unserer Sprache und die gesellschaftlichen Bedeutungen klarer Sätze in einem Gespräch mit dem SZ-Magazin. Frage an Jan Delay: "Wären Sie ohne das Reimschema nicht viel freier in Ihren Aussagen?" Antwort: "Vielleicht, aber so sind nun mal die Regeln. Man lässt ja beim Fußball auch nicht den Ball weg, damit man schneller laufen kann."
Juli 2009
Die Sprachwissenschafterin Luise F. Pusch gilt als eine der wichtigsten Wegbereiterinnen für feministische Sprachpolitik. In einem Interview mit dieStandard.at aus Wien vertritt sie die Ansicht, die feministische Sprachkritik habe die Grammatik durchaus verändert. "Längerfristig bin ich für die Abschaffung des ´in´", sagt sie, und: "Das Maskulinum ist nicht mehr das, was es mal war."
Trotz Zeitungskrise glaubt Lionel Barber, der Chefredakteur der britischen "Financial Times", an Bezahlinhalte im Netz: "Ich sage mit Zuversicht voraus, dass fast alle Nachrichtenangebote innerhalb der nächsten zwölf Monate für Inhalte Geld verlangen werden", sagte Barber auf einer Veranstaltung in der British Academy in London. Wie Bezahlmodelle funktionieren werden und wie viel Umsatz sie generieren könnten, sei noch nicht sicher. Die komplette Rede (in englischer Sprache) ist bei Press Gazette nachzulesen.
Mathias Döpfner, Chef des Axel-Springer-Konzerns, will das "Springer-Tribunal" wieder eröffnen, das Studenten in Berlin 1968 nach seiner ersten Sitzung ergebnislos vertagt hatten. Aus diesem Anlass arbeitet Otto Köhler in der Jungen Welt detailliert die Geschichte der Berater des verstorbenen Verlegers auf und schreibt über Axel Springers engen Mitarbeiter Paul Karl Schmidt: "Nazi seit 1931, Träger des "Winkels für alte Kämpfer", hochrangiges Mitglied der SS und schließlich als Leiter des Presse- und Informationsamtes wichtigster Vertrauter von Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop. Er organisierte in Konkurrenz zu Goebbels, aber nicht weniger fanatisch als der, einen eigenen Propagandaapparat und ein eigenes europaweites Verlagsreich des Auswärtigen Amtes." Im Spiegel "schrieb Schmidt (...) zeitgeschichtliche Serien, in denen er schon früh die Unschuld der Nazis am Reichstagsbrand propagierte. (...) Der braune Propagandafachmann (tauchte) dann unter dem neuen Namen Paul Carell als Serienautor der Springer-Illustrierten Kristall auf. Er beschrieb den unentwegt ehrenhaften Kampf des deutschen Landsers gegen Rußland. Aus den Illustriertenserien entstanden Bücher des springereigenen Ullstein-Verlags in Millionenauflage, die das Bild der Deutschen von einer sauberen Wehrmacht bestimmten. Zuletzt war dieser hocherfahrene Fachmann Redenschreiber und persönlicher Sicherheitsbeauftragter des Verlagsherrn. (...) Die Reden, die Carell-Schmidt entwarf, übernahm Springer oft unverändert. (...) Auch die Redepassage, die dazu auffordert, zwecks "deutscher Wiedergeburt in voller Freiheit" die "Aussöhnung mit den Juden und die Hilfe für Israel als Teil der richtig verstandenen eigenen Politik zu begreifen", hat Schmidt für Springer formuliert. Eben der fanatische Antisemit Paul Karl Schmidt, der 1944 zur Vorbereitung des Abtransports der Budapester Juden nach Auschwitz im Auswärtigen Amt vorschlug, man möge doch "Sprengstoffunde in jüdischen Vereinshäusern und Synagogen" arrangieren, damit das Geschrei im neutralen Ausland nicht so groß sei."
Es komme "nicht häufig vor in der Geschichte der Bundesrepublik, dass der Redenschreiber und Regierungssprecher eines SPD-Kanzlers anschließend als Regierungssprecher eines CDU-Kanzlers fungiert hätte. Und zwar zu beider Zufriedenheit. Doch die Große Koalition hat genau dies 2005 möglich gemacht", schreibt stern.de über Angela Merkels Sprecher Thomas Steg. Der wechselt nun erneut das Lager – und heuert mitten im Bundestagswahlkampf als Berater ihres Herausforderers Frank-Walter Steinmeier an.
"Sind Sie ein Ghostwriter?", fragt das Medium Magazin mittels einer Checkliste alle, die herausfinden wollen, "ob diese Tätigkeit zum eigenen journalistischen Profil passt".
In eigener Sache: Ab sofort finden sich die Einträge auf dieser Seite parallel in meinem Redenschreiber-Blog, der über diesen Link auch abonniert werden kann.
Am 13. September richten ARD, ZDF, RTL und Sat.1 ein Streitgespräch zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier aus, das parallel von allen vier Sendern übertragen wird. Die Süddeutsche Zeitung stellt Überlegungen zum Sinn und Unsinn politischer TV-Debatten an und gibt zu bedenken, man könne "ein Duell für überflüssig halten, in dem sich zwei Politiker beschimpfen, die vier Jahre gemeinsam regiert haben."
Wiglaf Droste "sagt über das alltägliche Mediengewäsch, was andere nur denken" – Henrik M. Broder lobt in Spiegel Online das neue sprachkritische Buch mit dem Titel "Im Sparadies der Friseure. Eine kleine Sprachkritik" (Edition Tiamat Berlin, 141 Seiten, 12 Euro).
Der selbst gegebenen Geschäftsordnung widersprechend, wird seit Langem im Bundestag nicht frei geredet, sondern vielfach vom Blatt abgelesen. Doch selbst das ist jetzt nicht mehr nötig: Neue Tagungsvorschriften erlauben, dass Reden ungehalten zu Protokoll gegeben werden und damit Diskussion und Öffentlichkeit entfallen. "So erledigt der Deutsche Bundestag Gesetze – und sich selbst", empört sich die Süddeutsche Zeitung. Damit erweise sich "das Parlament als Farce".
Wie eine Politikerrede an die Jugend auch klingen kann, macht NDR 2 in der Reihe "Münte" vor. Leider handelt es sich nur um eine Parodie.
Juni 2009
In der Zeit erstmals veröffentlicht: die Grabrede, die Paul Levi, Anwalt und Geliebter Rosa Luxemburgs, zu ihrer Beerdigung am 13. Juni 1919 hielt – eine flammende Durchhalteparole für die sozialistische Idee.
Die überraschend positiven Reaktionen auf den Parteitagsauftritt des SPD-Kanzlerkandidaten waren laut stern.de seiner "ungewöhnlich guten und mitreißenden Rede Frank-Walter Steinmeiers zu verdanken. Sie war so kunstvoll gespickt mit rhetorischen Kniffen, zitierbaren Sätzen und innerparteilichen Freundschaftsgesten, dass der Eindruck entstand, er habe seine Medienberater und Redenschreiber komplett ausgewechselt". Eine laut RP-Online "kämpferische, zutiefst sozialdemokratische Rede", "von der alle Sozialdemokraten danach von links bis rechts sagen werden, dass sie sehr gut bis „fulminant“ war", wie tagesschau.de befindet. Wer sich selbst ein Urteil bilden möchte: Auf der Homepage der SPD findet sich der Wortlaut nebst Videomitschnitt. Die Financial Times Deutschland porträtiert Steinmeiers Beraterstab, darunter seine Redenschreiber Stephan Steinlein und Ulrich Deupmann.
"Klassischerweise erfüllt eine gute Rede sieben Kriterien: Sie ist erstens interessant und informativ; zweitens klar und verständlich – das heißt, weg von den Phrasen. Außerdem ist sie persönlich und publikumsorientiert sowie viertens glaubwürdig und wahrhaftig. Es gibt schon zu viele „Katastrophen“, zu viele „Gipfeltreffen“, zu viel „Einmaliges“ und „Alternativenloses“. Fünftens: Sie ist bildhaft. Zudem lebhaft und abwechslungsreich – nicht ein Faktum nach dem anderen. Und siebtens ist sie humorvoll. Den letzten Punkt zu missachten ist die Todsünde vieler deutscher Redner." – Die VRdS-Präsidentin Minita von Gagern im Interview mit der Wirtschaftswoche.
Eine abweichende Meinung zu Barack Obamas Rednerqualitäten vertritt der Kommentator der Deutschen Welle: Er diagnostiziert nach dessen Auftritt in Kairo trocken "inhaltsarme Lyrik".
Die viel beachteten Auslandsreisen des US-Präsidenten werfen auch ein Schlaglicht auf seine Reden und deren Schreiber. Bei stern.de äußert sich der im Vergleich mit seinem vorgesetzten Kollegen Jon Favreau, 27, weniger bekannte, für die Außenpolitik zuständige Obama-Ghostwriter Ben Rhodes, 31, über Chef und Job; auch bild.de porträtiert Rhodes.
Das Wirtschaftsmagazin impulse gibt Tipps im Umgang mit Alkohol – beispielsweise wie man beschwipst eine Rede hält.
Wie steht es um die deutsche Sprache? Diese Frage interessiert nicht nur die Wissenschaft. Die Deutsche Welle berichtet über eine Umfrage, wie die Deutschen über das Deutsch denken.
Mai 2009
Der Ghostwriter schreibt – und der Kunde überlegt es sich anders. Welches Honorar ist trotzdem fällig? Gilt ein Schreibauftrag als "Werkvertrag", analog zu Handwerksarbeiten? Die Anwaltskanzlei Sawal informiert über jüngste Gerichtsentscheidungen.
April 2009
Die Online-Zeitschrift für Rhetorik und Wissenstransfer berichtet von den Ergebnissen einer Fachtagung u.a. zum Thema "Rhetorik in der Wirtschaft" und zitiert zwei Vortragende mit der Feststellung, zur Grundausstattung der in der Wirtschaft Erfolgreichen gehöre neben den unternehmerischen Qualifikationen vor allem die Kommunikationsfähigkeit.
Das musste ja so kommen: Über den Internet-Kurznachrichtendienst "Twitter" versorgen immer mehr Prominente ihre Fans mit Neuigkeiten – und nutzen dabei längst die Dienste von Ghostwritern, wie der Wiener Standard berichtet.
März 2009
Obama für Anfänger? Der Deutschlandfunk stellt eine Radioreportage über ein Rhetorikseminar für Politiker als Podcast sowie als direkten Download ins Netz.
Das Autoren-Portal Carta kritisiert die politische Rhetorik von Angela Merkel und Frank Steinmeier als Symptom grundsätzlicher Unfähigkeit: "Die Spitzenkandidaten finden keine klare und lebendige Sprache. Doch wer nicht leidenschaftlich redet, dem fehlt es am wichtigsten Mittel zur politischen Führung überhaupt. In der Krise ist dies ein schwer erträgliches Vakuum."
Februar 2009
Der Medienfachverlag Rommerskirchen suchte im Rahmen eines Wettbewerbs erstmals "Deutschlands besten Redenschreiber" – nun steht der Sieger fest: Der 37-Jährige Christoph Braner setzte sich gegen 135 Wettbewerber durch und gewann den mit 4000 Euro dotierten journalist-challenge 2008.
"Reden für eine neue Welt" hat der Berliner Redenschreiber und Rhetorikexperte, VRdS-Mitglied Hans Hütt, sein Rhetorik-Blog genannt. Ein Hauptthema: der unterhaltsame Vergleich der politischen Rede hier zu Lande mit der Redekunst, die uns derzeit in den USA begegnet.
Über den Prozess gegen einen windigen Promotionsberater berichtet Spiegel Online. Dessen Firma in Bergisch Gladbach half gegen Bares beim Wunsch nach einem akademischen Titel nach – angeblich "kein Titelhandel, kein Ghostwriting", dafür laut Anklage Bestechung.
Zum neuen regelmäßigen Auftritt des Papsts auf YouTube interviewt die Welt Eberhard von Gemmingen, Leiter von Radio Vatikan. Sein Rat: "Du kannst bei „Urbi et Orbi“ zweimal im Jahr über 100 Millionen Menschen ansprechen. Das sind ungeheure Chancen – die leider immer wieder leichtfertig verspielt werden, weil die Ansprachen einfach zu anspruchsvoll sind, zu hoch, zu fromm, nein, das nicht, aber zu anspruchsvoll. Sag\' es so, dass es die Leute gleich verstehen. Yes, we can! Und der Papst sowieso. Er kann und soll natürlich nicht so reden und sein wie Barack Obama. Aber nichts hindert ihn daran, sich Redenschreiber zu nehmen, die ihm seine Texte etwas herunterbrechen und gewisse Dinge wiederholen, dass sie sich besser einprägen. Das sollte er übernehmen. Nicht, dass er seine Texte liberalisieren oder gar – Gott behüte – verfälschen oder verdummen lassen sollte. Doch was er heute sagt – der doch selbst ein so faszinierend großer freier Redner ist – ist immer nur ein geschriebener Text, der ganz anders strukturiert ist als eine freie Rede. Das müsste und dürfte nicht sein."
Januar 2009
Der Faszination des US-Präsidenten erliegt der Autor der World Socialist Web Site nicht: "Seichte Plattitüden und der Ruf nach Sparpolitik" ist sein Beitrag überschrieben. "Nach Obamas Einschätzung trägt überhaupt niemand besondere Verantwortung für die tiefste Finanzkrise in der Geschichte des amerikanischen Kapitalismus. (...) Sein Verschweigen der Ursachen verrät ein erstaunliches Maß an Verachtung und Arroganz jenen gegenüber, die ihn unterstützen."
Der Amtsantritt Barack Obamas ist das politische Ereignis des Monats. Der Standard und das St. Galler Tagblatt widmen seinem Redenschreiber Jon Favreau Kurzporträts, die FAZ beleuchtet die Tradition der Inaugurations-Ansprache, Reuters erkennt "große Erwartungen an Obamas Antrittsrede". YouTube hält gleich mehrere Videomitschnitte vorrätig, Spiegel Online bringt den englischen Originaltext zum Nachlesen. Ebenfalls auf YouTube: eine witzige Parodie des SWR auf Obamas Berliner Rede 2008 an der Siegessäule – auf schwäbisch.
"Geschöpflichkeit" und andere Verrenkungen: Zum neuen Jahr empört sich der Stildozent Wolf Schneider in der Süddeutschen Zeitung über die Sprache von Weihnachtspredigten: "Die Bibel liest sich besser als die meisten Texte derer, die sie von Amts wegen auslegen." Und: "Mit aktuellen Themen konnte manche Weihnachtsbotschaft die Hörer vielleicht noch erreichen – mit der Sprache leider nicht."
"Jede Verhunzung des Deutschen tut mir weh." Gegenüber der Weltwoche führt Wolf Schneider Klage über den Verfall der öffentlichen Ausdrucksweise "im Sog von 1968". Bitte beachten: Für externe Inhalte, auf die obige Links verweisen, sind weder der Autor dieser Seite noch der VRdS, sondern ausschließlich die jeweiligen Betreiber verantwortlich. Anregungen, Ergänzungen, Korrekturen bitte an th.oestreicher@redenschreiber-hh.de - danke!
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