Hans-Georg von Rantzau, Jahrgang
1954, studierte nach einer Banklehre Rechtswissenschaft.
Nach den Examina folgten mehrere Tätigkeiten
im Versicherungs- und Finanzdienstleistungsbereich.
Schon während des Studiums entdeckte er seine
Vorliebe für sprachliche Formulierungskunst.
Einmal lieferte er eine Übungsklausur in Reimform
ab, die kurz darauf in der Juristenzeitung erschien
(JZ 2/1978, S. 73).
Neben Texten aller Art bildet die humoristische
Rede zu geselligen Anlässen, meist in Form
des wohlklingenden Gedichts, einen Schwerpunkt
seiner Tätigkeit.
Roman Herzog. Bei ihm verbindet sich höchste
Kompetenz in der Aussage immer mit einem bißchen Humor
oder Selbstironie. So wirkt auch Ernstes nie trocken.
Ihre Lieblingsrede in der Geschichte?
H.-D. Genscher in Prag, als er 1989 den
DDR-Flüchtlingen die Ausreise verkündete. Wohl
nie haben so wenige Worte Geschichte geschrieben. Aber auch
die Reden von Cicero oder Martin Luther beeindrucken in Art,
Stil und Aussage.
Welche Eigenschaften schätzen Sie an denen, für
die Sie schreiben, am meisten?
Welche Eigenschaften schätzen Sie an einem Redenschreiber
am meisten?
Die Fähigkeit, Perspektiven und Visionen
zu entwickeln und sich in den Redner hineinzuversetzen.
Für wen würden Sie gerne einmal eine Rede schreiben?
Götz von Berlichingen. Dem sagt man
zu vielen Dingen eine sehr gesunde Einstellung nach. Unter
den Lebenden zählt Kofi Annan zu den Favoriten. Mit
seinem Gerechtigkeitssinn läßt er sich von keinem
Kraftprotz der Welt ins Bockshorn jagen.
Gibt es Redner, für die Sie nicht schreiben würden,
oder Redethemen,
die Sie ablehnen?
Ja, die gibt es. Manche Redner blasen sich
auf wie ein Pfau und produzieren Heißluft. Das ist
nicht meine Sache. Ebensowenig schreibe Reden populistischen
oder demagogischen Inhalts. Allerdings klärt es sich
meist bereits im Vorfeld, ob Redner und Redenschreiber zueinander
passen.
Wie sind Sie zum Redenschreiben gekommen?
Durch eine Vielzahl selbst gehaltener Reden
und Texte, die wegen ihrer Formulierungen große Beachtung
fanden. Mal sagte ein Freund: "Das ist dein Ding, das
mach' weiter..."
Beschreiben Sie Ihre Tätigkeit als Redenschreiber
in einem Satz:
Da hockt und tippt man am Computer,
(wenn er gerade tut, dann tut er),
und so, zur Freude eines jeden,
entstehn Gedichte und auch Reden.
Wann ist für Sie eine Rede gelungen?
Wenn die Aussage das Publikum überzeugt
und begeistert und die Botschaft gut "rüberkommt".
Gradmesser ist immer der Eindruck beim Zuhörer.
Warum würden Sie Menschen in verantwortungsvoller
Position empfehlen, mit einem Redenschreiber zusammenzuarbeiten?
Damit der eigene Kopf frei bleibt für
das Tagesgeschäft und der Text vom Profi formuliert
wird.
Warum würden Sie einem jungen Menschen empfehlen,
Redenschreiber zu werden?
Das empfehle ich nur Leuten, die Freude
am Umgang mit der Sprache und gekonnten Formulierungen haben.
Das Alter spielt da keine Rolle, allenfalls die Lebenserfahrung.
Aber dann gibt es nichts Kreativeres als das Verfassen schöner
Texte...
Warum würden Sie abraten?
Abraten würde ich eigentlich niemandem.
Aber die Marktsituation ist für Freiberufler nach wie
vor sehr schwierig.
Der größte anzunehmende Unfall (GAU) für
einen Redenschreiber?
Ein Zuhörer sagt zum Redner: "Si
tacuisses, philosophus mansisses!!"