Ghostportraitdes Monats

Thomas Östreicher

Jahrgang 1960, Journalist seit 1984, 1998-2000 Redenschreiber der schleswig-holsteinischen Ministerpräsidentin Heide Simonis in der Pressestelle der Kieler Staatskanzlei, nun selbstständig;
Internet: www.die-perfekte-rede.de
Welchen Redner bewundern Sie am meisten?
Jeden, der imstande ist, mit Leidenschaft Zeit und Ort vergessen zu lassen. So etwa die Schauspieler Ben Kingsley (1999 zur Verleihung der "Goldenen Kamera") und Rudolf Platte (1971 in der TV-Adaption von "Raub der Sabinerinnen"), sowie selbstverständlich Martin Luther King mit seiner berühmten Ansprache vor dem Lincoln Memorial in Washington am 28. August 1963 ("I have a dream")

Ihre Lieblingsrede in der Geschichte?
John Lennon 1963 bei der Royal Variety Performance. In Anwesenheit der königlichen Familie sagte er einen Beatles-Song wie folgt an: "Die Herrschaften auf den billigeren Plätzen mögen bitte mitklatschen. Der Rest klappert einfach mit den Juwelen."

Welche Eigenschaften schätzen Sie an denen, für die Sie schreiben, am
meisten?
Begeisterungsfähigkeit

Welche Eigenschaften schätzen Sie an einem Redenschreiber am meisten?
Einfühlungsvermögen, Bildung, Sprachgewandtheit

Für wen würden Sie gerne einmal eine Rede schreiben?
Für den Papst. Eine Rede, in der er christliche Werte wie Toleranz und Nächstenliebe betont, Frauen und Männer sowie gleichgeschlechtlich orientierte Menschen gleichermaßen wertschätzt sowie die Ungleichverteilung der Güter zwischen Erster und Dritter Welt anprangert.

Gibt es Redner, für die Sie nicht schreiben würden, oder Redethemen,
die Sie ablehnen?
Produzenten von Landminen, die ihr Geschäft rechtfertigen. Außerdem die Ankündigung von Massenentlassungen.

Wie sind Sie zum Redenschreiben gekommen?
Durch den Rat eines guten Freundes. Er weckte eine Leidenschaft.

Beschreiben Sie Ihre Tätigkeit als Redenschreiber in einem Satz:
Mit meiner Stimme einem anderen in seinem Sinne zu den richtigen Worten zu verhelfen.

Wann ist für Sie eine Rede gelungen?
Wenn sie zu überraschen vermag und im Gedächtnis bleibt.

Warum würden Sie Menschen in verantwortungsvoller Position empfehlen, mit
einem Redenschreiber zusammenzuarbeiten?
Gute Berater sind ein Luxus, der sich lohnt.

Warum würden Sie einem jungen Menschen empfehlen, Redenschreiber zu werden?
Sie begegnen dem Faszinierendsten, was es gibt: lebenden Menschen und ihrer Welt.

Warum würden Sie abraten?
Sie werden niemals im Mittelpunkt stehen. Wenn Sie das nicht ertragen, fahren Sie lieber Taxi.

Der größte anzunehmende Unfall (GAU) für einen Redenschreiber?
Ein Feuerwehrmann scheut keine Unfälle.

 


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