Die "Giftige Feder"



Zu dem neu geschaffenen und allüberall verwendeten Begriff "Prekariat" ein Beitrag von Thomas Maess.....

Das Prekariat

Dem Prekariat angehörig sind die Prekarianer, ein Volksstamm, der sich gemeinhin in der Öffentlichkeit wenig zeigt. Denn der gemeine Prekarianer pendelt in aller Regel nur zwischen Arbeitsagentur und seinem Prekarium. Dort angekommen, schaltet er seinen Prekasten ein, um sich ein bisschen prekanieren zu lassen. Nebenbei trinkt er sein Prekant, eine Biersorte, die er bevorzugt über Prekaldi, den Lieblingssupermarkt der Prekarianer bezieht.

Die Prekariumsgröße, also der Wohnort, in dem sich der gemeine Prekarianer bevorzugt über den Tag aufhält, wird nach Hartz IV festgelegt.

Die Prekariumsgröße lässt bevorzugt Esszimmer, Kinderzimmer, Wohnküche, Bibliothek, Gäste-WC sowie Galerie, Terrasse, Balkon und Diele weg. Wer trotzdem ein großes Prekarium behält, darf sich nicht mehr Prekarist nennen und wird aus der Gemeinschaft des Prekariats ausgeschlossen. Dann bekommt er allerdings auch keine Prekunias mehr.

Nur wer ALG 1 bezieht darf sich „Prekarist“ nennen, der sich in der Regel nach einem Jahr dem Prekariat anschließen kann. Dann ist er so geübt, dass er mit ein paar Prekunias über die Runden kommen und nach dem Motto „Prekunia non olet“ auskömmlich leben kann. Gibt er aber zu wenig Prekunias für seine Ernährung aus, wird er von der Prekanitis befallen. Von der Prekanitis befallene Prekarianer leben nicht mehr in Prekarien. Sie haben die höchste Stufe des Prekariats erklommen und dürfen ganze Stadtviertel als ihr Prefugium bewohnen.

Regiert werden die Prekarianer vom Prekarius für Arbeit. Dem steht der Prekarius Maximus vor. (Ginge auch mit Prekaria!). Alle vier Jahre verzichten die Prekarianer auf die Wahl, werden aber trotzdem von Prekatoren vertreten, die sich einmal monatlich im Prekatorium zum Prekanieren treffen.

Prekaristen halten nicht viel von ihren Prekatoren, weil diese nicht in Prekarien leben und keine Prekunias beziehen. Also haben sie auch keine Ahnung vom Prekariat. Aber sie reden ständig übers Prekariat, was den Prekaristen zunehmend auf die Nerven geht. Wohl deshalb werden sich Prekatoren und Prekaristen nie verstehen. Den Abstand zwischen Prekatoren und Prekaristen misst man in „prekär“.




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