Die
Germanistin Susanne Winkler M.A. schrieb zwei Jahre lang Berichte und
Reportagen für die Tageszeitung „Bonner Rundschau“,
bevor sie leitende Redakteurin der Loseblattzeitschrift „Die
besten Reden von A bis Z“ und stellvertretende Chefredakteurin
des Schwesterwerks „Der neue Redenberater“ wurde.
Heute
schreibt und lektoriert sie Reden und Texte u.a.
für Führungskräfte
aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Kultur.
Zusätzlich berät
und trainiert sie ihre Auftraggeber in allen Fragen
der mündlichen
und schriftlichen Kommunikation.
Einen, der schlagfertig ist und improvisieren kann.
Ihre Lieblingsrede in der Geschichte?
Die Rede, mit der Marc Anton die römischen Bürger
gegen die Mörder Cäsars aufbringt, die sie zuvor noch bejubelt
haben – sie stammt aus der Feder von Shakespeare und zeichnet sich
aus durch den wiederkehrenden (ironischen) Satz: „Brutus ist ein
ehrenwerter Mann.“
Welche Eigenschaften schätzen Sie an denen, für die Sie schreiben, am
meisten?
Enthusiasmus, Humor, Offenheit.
Welche Eigenschaften schätzen Sie an einem Redenschreiber am meisten?
Enthusiasmus, Humor, Verschwiegenheit.
Für wen würden Sie gerne einmal eine Rede schreiben?
Für die Bundeskanzlerin.
Gibt es Redner, für die Sie nicht schreiben würden?
Ja. Wenn mir die Botschaft einer Rede oder die Einstellung
eines Redners völlig zuwider ist, würde ich den Auftrag ablehnen.
Wie sind Sie zum Redenschreiben gekommen?
Zufällig. Zwar habe ich schon immer Sprache(n) geliebt
und gerne getextet, aber meine erste Stelle als Redenschreiberin war reiner
Zufall: Man suchte eine Redakteurin für ein Rhetorik-Loseblattwerk,
und ich suchte eine Stelle. Dann merkten wir, dass wir gut zusammenpassen
...
Beschreiben Sie Ihre Tätigkeit als Redenschreiber in einem Satz:
Ich versuche, Gedanken – fremde und eigene – in
die bestmögliche Form zu bringen.
Wann ist für Sie eine Rede gelungen?
Wenn das Publikum gebannt zuhört und „mitfiebert“.
Warum würden Sie Menschen in verantwortungsvoller Position empfehlen, mit
einem Redenschreiber zusammenzuarbeiten?
Gute Gedanken werden nicht automatisch zu guten Worten.
Um eine außergewöhnliche Rede mit nachhaltiger Wirkung zu entwerfen,
braucht es einfach einen Profi – der zudem als Außenstehender
den objektiven Blick auf die Inhalte wahrt.
Warum würden Sie einem jungen Menschen empfehlen,
Redenschreiber zu werden?
Weil es ein abwechslungsreicher Beruf ist, bei dem man
immer wieder ganz neu herausgefordert wird und viele interessante Menschen
kennenlernt.
Warum würden Sie abraten?
Weil man auf Knopfdruck kreativ sein muss und die eigene
Leistung einer ständigen Bewertung durch Dritte unterworfen ist.
Der größte anzunehmende Unfall (GAU) für einen Redenschreiber?
Er schreibt nach einem kurzen, mündlichen Briefing
eine Rede, hält sie für gelungen und will sie gerade termingerecht
an den Auftraggeber schicken, als er dessen EIGENTLICHES Briefing entdeckt,
das lang und schriftlich ist, völlig neue Informationen enthält
und seit zwei Wochen unbemerkt in seinem E-Mail-Fach schlummert. (Ist
vielleicht nicht der GRÖSSTE anzunehmende Unfall, dafür aber
wirklich mal passiert.)
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