Studium der Geschichte, Politikwissenschaft und Kulturanthropologie
in Saarbrücken, Cambridge und Köln
Referentin für Unternehmens-kommunikation bei der RWE AG, Essen:
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Marketingkommunikation, Corporate
Publishing, Corporate Sponsoring
Gründerin der Agentur denk tank Ghostwriting, Berlin: Ghostwriting
mit dem Schwerpunkt Reden sowie individuelles Redecoaching.
Thomas Mann, obwohl er den wenigsten als Redner aufgefallen
ist.
Ihre Lieblingsrede in der Geschichte?
O je, so viele Kandidaten fallen mir ein. Wie wär's
einstweilen mit Elfriede Jelineks zur Nobelpreisverleihung
in Abwesenheit?
Welche Eigenschaften schätzen Sie an denen, für die Sie schreiben, am
meisten?
Strategisches Denken bei der Themenwahl, Publikumsorientierung
beim Ductus, Disziplin bei der Vorbereitung auf die Rede,
selbstkritische Haltung bei der Nachbereitung.
Welche Eigenschaften schätzen Sie an einem Redenschreiber am meisten?
Wie bei jedem hervorragenden Übersetzer gilt auch
im sehr verwandten Metier der Redenschreiber: enorme Klugheit bei maximaler
Bescheidenheit sind eine Zier.
Für wen würden Sie gerne einmal eine Rede schreiben?
Guido Westerwelle. Der kommt leider einfach nicht aus der
Bütt.
Gibt es Redner, für die Sie nicht schreiben würden?
Man sollte niemals kategorisch ablehnen. Besonders nicht,
wenn man sich als Dienstleister ernst nimmt. Erst das Briefing abwarten.
Dann entscheiden, ob man kann und will.
Wie sind Sie zum Redenschreiben gekommen?
Über die Leitung von besonders publikumswirksamen
Projekten, die gern in Reden von Vorständen eingesetzt wurden. Bei
der Frage, wer schreibt, war klar - die Expertin. Arbeitsweise und Resultate überzeugten.
Und ich schrieb immer mehr Reden.
Beschreiben Sie Ihre Tätigkeit als Redenschreiber in einem Satz:
Ghostwriting ist höchste Vertraulichkeit. Es bedeutet:
Mandanten kennen lernen, sein/ihr Anliegen verstehen, es
für gewisse Zeit zum eigenen machen, bis zum Erbrechen
recherchieren und schließlich dem Mandanten Worte
in den Mund legen, von denen dieser nicht wusste, dass
er sie kannte, aber fühlt, dass er sie sagen wollte.
Wann ist für Sie eine Rede gelungen?
Wenn das Publikum nach der Rede ein Bild im Kopf hat, das
es erinnert und an dem es selbst weiterarbeitet, assoziiert,
eigene Aspekte hinzufügt. So wird der Redner, das
Unternehmen für das er steht, das Produkt/Projekt
für das er wirbt, wiedererkennbar und unverwechselbar.
Warum würden Sie Menschen in verantwortungsvoller Position empfehlen, mit
einem Redenschreiber zusammenzuarbeiten?
Reden wohnt unter den gängigen Kommunikationsmitteln
ein unterschätztes Potenzial inne. Sie werden ungebrochen oft angefragt,
gedruckt, gesendet, besprochen. Warum werden sie dennoch so stiefmütterlich
behandelt? Reden sind nicht Last, sondern eine fantastische Gelegenheit
zur Profilierung und Markenbildung.
Warum würden Sie einem jungen Menschen empfehlen,
Redenschreiber zu werden?
s.o. bei ideale Eigenschaften. Hat er das, ist er zum
"Ghost" prädestiniert. Ghostwriting ist eine tolle Kombination
aus strategischer Herangehensweise und kreativer Arbeit.
Zudem trifft man reihenweise auf schillernde und inspirierende
Persönlichkeiten,
denen man auf Augenhöhe Partner und Ratgeber sein muss.
Warum würden Sie abraten?
Wenn der Ratsuchende sich vor allem durch seine eigene
"Sprachgewalt" berufen fühlt. Derart entwickelt man wenig
Einfühlung für Persönlichkeit und Sprache des Mandanten.
Der größte anzunehmende Unfall (GAU) für einen Redenschreiber?
Keinen Zugang zum Redner zu haben. Es kann eine gute
Rede nur schreiben, wer den Redner kennt.
Ihr eigenes Ghostportrait?
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