10 Jahre VRdS

 


Ansprache zum 10-jährigen Jubiläum des VRdS

Dr. Thilo von Trotha Ehrenvorsitzender des VRdS

31. Mai 2008 im Bahnhof Rolandseck


Es gibt zwei Arten von Glück. Das Glück, das von innen kommt. Und das Glück, das von außen kommt. Ich bin heute aus beiden Quellen glücklich.

Es liegt mir sehr am Herzen, Ihnen und Euch ganz nachhaltig für das Glück zu danken, das Ihr mir geschenkt habt. Nicht im Sinne Napoleons, für den das größte Glück auf Erden war, eine Nacht zwischen einer schönen Frau und einem klaren Sternenhimmel zu teilen. Sondern für das Glück, das aus gemeinsamen Gelingen wächst.

Auch wenn Minita mir verboten hat, länger als fünf Minuten zur sprechen. Ich muss jetzt an die Mitstreiter der ersten Stunde denken: Gerd Koslowski, Willi Vogler, Susanne Hallwich, Günter Stein, Udo Kessler, Ursula Viebig, Dariush Barsfeld, Sabine Ratschiller, Helmut Zermin, Kerstin Moll und Wolfgang Heinze. Er hat das Motto „10 Jahre am Thema vorbei“ erfunden.

Ich will auch der Toten gedenken: Roland Bickmann, Heidi Bittel, Hans-Jörg Hirschmann, Brigitte Neff, Hildegard Petering, Karin Scholz-Lenz und Volker von Sengbusch. 

Ich will auch all denen danken, die dem Verband nicht angehören, ich aber tragen helfen. Dabei denke ich zuerst an Martina Pannenbecker-Frings, die zu einer wunderbaren Geschäftsstelle des Verbandes geworden ist. Der Verlag für die Deutsche Wirtschaft hat uns von Anfang an unterstützt. Beim Schreiben der Chronik habe ich ihn wiedergefunden. Der Brief, mit dem der Verlag vor 10 Jahren die Gründungsversammlung mit 2000 D-Mark unterstützte, trug die Unterschrift von Joachim Müller. Gabriele Holly hat die Entwicklung des VRdS voller Sympathie gefördert.

Ich komme zurück auf das Glück des gemeinsamen Gelingens. Mit Fug und Recht dürfen wir heute sagen: es ist uns Vieles gelungen. Jedes Gelingen hat seine Geheimnisse. Und jedes Misslingen hat seine Gründe. Unser Gelingen hat wenigstens zwei Geheimnisse. Das eine ist: mit Rede und Sprache arbeiten wir an einem Gegenstand, der große Bedeutung hat. Große Bedeutung nicht nur für uns persönlich, sondern für unser Land. Zum anderen: wir tun es auf eine kameradschaftliche, eine liebevolle Weise. Dazu eine kleine Geschichte aus unserer vorletzten Vorstandssitzung: es ging hoch her um die Vorbereitung unseres Herbstkongresses. Einer der Berliner Kollegen, die an den Vorstandssitzungen teilnehmen, weil der Kongress in Berlin statt finden wird, fragte ob man nicht abstimmen wolle. Darauf Dirk Battermann: „Wir machen hier alles mit Liebe.“ Eine vernünftige Sache im Geiste der Kameradschaft und Zuwendung gestalten: möglicherweise ist das das Geheimnis unseres gemeinsamen Gelingens.

Nun kriege ich aber Angst vor unserer Präsidentin und fasse mich ganz kurz. Und zwar unter drei Punkten: 1. Was haben wir erreicht? 2. Wo stehen wir heute? 3. Was liegt vor uns?

1. Was haben wir erreicht?

  • Haben wir einen Berufsstand der Redenschreiber gegründet? Ich bin nicht ganz sicher, aber ich glaube wir können sagen: Ja. Fakt ist auf jeden Fall: vor 10 Jahren gab es kaum ‚öffentlich kreditierte’ Redenschreiber. Heute gibt es sehr viele.
  • Wir haben den Stellenwert der Rede in Deutschland, die Bereitschaft, reden zu lernen nachhaltig verändert. Vor 10 Jahren gab es so gut wie keine Debattierclubs in Deutschland. Heute gibt es sie zu Hunderten oder zu Tausenden an Schulen und Hochschulen. Zu viele, um Übersicht zu behalten.
  • Sind die Reden im Land besser geworden? Ich zögere. Nicht nur wenn ich an Kurt Beck denke. Sie sind kürzer geworden. Das hat die gemeinsame Umfrage des Verbandes mit der Zeitung „Die Wirtschaftswoche“ ergeben. Das ist ja auch schon was. Es kann ja eine Rede nicht schlecht sein, wenn sie kurz ist. Oje, ich muss mich beeilen.

2. Wo stehen wir?

  • Wir haben einen guten Vorstand. Liebe Kolleginnen und Kollegen: auch wenn mal etwas schief geht, bitte vergessen Sie nicht: alle Vorstandsmitglieder arbeiten ehrenamtlich. Und glauben Sie mir: auch wenn man das von außen nicht sieht, es stecken viel Herzblut, viel Zeitaufwand, viel Konzentration und Gedankenfülle in der Vorstandsarbeit.    
  • Zum gemeinsamen Gelingen gehört auch: Dank seiner Mitglieder hat sich der Verband Respekt und Anerkennung verschafft. Marcel Reich-Ranicki kommt heute Nachmittag. Franz Müntefering wird auf dem Herbstkongress sprechen. Dieser Ort hier, das Arp-Museum ist unserer Kultur und Tradition angemessen.
  • Die deutsche Rede und Sprache ist nicht tot. Ich halte nicht viel von den aufgeregten Leuten, die im Denglisch den Untergang des Deutschen sehen. Die deutsche Sprache ist kraftvoll, sie ist lebendig, sie entwickelt sich. Die Anglizismen kommen und gehen, die deutsche Sprache bleibt bestehen.
  • Bedenken habe ich nur, wenn nicht machmal, sondern institutionell auf Dauer angelegt, deutsche Professoren an deutschen Hochschulen vor deutschen Studenten englisch reden. Eine Sprache entwickelt sich wenigstens aus zwei Quellen: der Straße und der Wissenschaft. Ich habe nichts gegen den Einfluss der Straße auf unsere Sprache. Die Straße gebirt herrliche, präzise, bildhafte Worte. Aber wir sollten nicht hinnehmen, dass der Entwicklungsfaktor Wissenschaft wegfällt mit dem Ergebnis: die Einflüsse auf die Entwicklung der deutschen Sprache kommen fast ausschließlich von der Straße.

3. Was liegt vor uns?

  • Vor uns liegt das Ringen um, das eintreten für die deutsche Sprache. Wer, wenn nicht wir tragen große und größte Verantwortung? Wir, die wir Worte und Gedanken formulieren für Menschen, die Kraft ihres Amtes Vorbildfunktion in Deutschland haben.
  • Ich habe wenig Respekt vor Leuten, die achselzuckend sagen, man könne nichts tun, um den Verlauf der Welt zu ändern. Das mag bei den Bemühungen stimmen, das aus den Fugen geratene Finanzsystem wieder in verantwortbare Bahnen zu lenken. Für die Sprache ist jeder von uns verantwortlich. Jeder, der deutsch spricht ist für die deutsche Sprache verantwortlich, für ihre Entwicklung, für ihren Wert, ihren Glanz und ihre Brauchbarkeit. Unsere Sprache, das Werkzeug unseres Denkens ist und bleibt genauso gut wie wir sie sprechen und schreiben. Es ist nicht leicht, sich schlechten Beispielen zu entziehen und damit gute zu geben. Aber es ist unsere Pflicht.
  • Deswegen: lesen wir Literatur. Lesen und lernen wir Gedichte. Die Poesie ist die Krone der Sprache und des Denkens. Den Eltern unter Ihnen lege ich ans Herz: lesen Sie Ihren Kindern Gedichte vor. Legen Sie ihnen einen Gedichtband auf den Nachttisch. Sie werden erstaunt sein, was Kinder mit Gedichten machen.
  • Das ist zu tun: für unsere Muttersprache einzustehen. Zuerst bei uns selbst.
  • 10 Jahre am Thema vorbei. Ja, ja, das kann stimmen. Aber auch sehr oft ins Schwarze getroffen. Das ist unser gemeinsames Gelingen. Das macht mich heute glücklich. Und dazu gratuliere ich Ihnen sehr herzlich und sage herzlichen Dank für diese Gemeinschaftsleistung.

 

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