Kongress Sprache und Menschenbild
Meldung ddp Deutscher Depeschendienst vom 27. Okt. 2005
Redenschreiber fordern mehr Rhetorik-Bildung
Berlin (ddp). Der Verband der Redenschreiber deutscher Sprache plädiert für mehr Rhetorik-Kurse an Schulen und Hochschulen. Die Kunst des Redens werde in Deutschland noch immer unterschätzt, kritisierte Verbands-Vorstandsmitglied Willi Vogler am Donnerstag im ddp-Gespräch in Berlin. Deshalb trete der Verband auch für einen selbstständigen Lehrstuhl Rhetorik ein. Zugleich begrüßte Vogler die wachsende Zahl von Redewettbewerben insbesondere an ostdeutschen Schulen und Universitäten. Sie trügen dazu bei, unter jungen Menschen die Bedeutung der freien Rede und Argumentation zu stärken. In den USA und Großbritannien gehörten solche Kurse zum festen Angebot an Schulen. "Aufstehen und frei seine Meinung ohne emotionale Überfrachtung sagen zu können ist das Ziel", unterstrich Vogler.
Bis heute hält es der Verband, der am Donnerstag in Berlin zu seinem dritten Jahreskongress zusammenkam, mit den großen Rednern der Antike. So manche Maximen von Cicero oder Platon hätten durchaus noch Gültigkeit, unterstrich Vogler. Vor allem die Maßgabe, durch Sprache und Art der Argumentation das Publikum bei Laune zu halten, werde heute oft außer Acht gelassen.
Eine gelungene Rede zeichnet sich laut Vogler dadurch aus, dass sie die Persönlichkeit des Redners berücksichtig, eine konkrete Aussage transportiert und diese mit prägnanten und erinnerbaren Worten mitteilt.
Allerdings sei auch die Zusammenarbeit zwischen Redner und Redenschreiber wichtig, wie Verbandssprecher Alexander Ross anmerkte. Als ein österreichischer Politiker gebeten wurde, seine Rede um die Hälfte zu kürzen, habe der geantwortet: "Das würde ich gerne tun, aber ich kenne die Rede gar nicht." Der Redenschreiber habe dem Mann aus der Patsche geholfen, in dem er ihm riet, ganz auf das Vorbereitete zu verzichten. Das sei gut angekommen.
Der Jahreskongress in Berlin stand unter dem Motto "Sprache und Menschenbild". An der Veranstaltung nahmen rund 100 Mitglieder und Gäste teil. Schirmherr war Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Präsident Thilo von Trotha hatte den Verband 1998 mit dem Zweck ins Leben gerufen, die oft als "Ghostwriter" tätigen Autoren zu vernetzen. Trotha war von 1974 bis 1980 Redenschreiber von Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD).
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