Berufsbild Redenschreiber
Im vorgelegten Text wird aus praktischen Gründen auf eine Movierung des Begriffs Redenschreiber verzichtet. Eine Diskriminierung ist damit nicht beabsichtigt.
Definition
Redenschreiberinnen und Redenschreiber entwerfen und verfassen Reden im Auftrag Dritter. Je nach Aufgabe bereiten sie zudem Präsentationen vor, beraten Redner bei ihren Auftritten, schreiben Texte und Bücher - hauptberuflich oder nebenberuflich, als Angestellte, Beamte oder Freiberufler. Im Zentrum der Arbeit von Redenschreibern steht die Umsetzung der vom Redner gewünschten Inhalte in einen überzeugenden und für das jeweilige Publikum angemessenen Redetext - im Einklang mit den übergeordneten Strategien des Auftraggebers und im Sinne guter Redepraxis. Alternativ zum Begriff Redenschreiber wird mitunter der Begriff Ghostwriter verwendet, der sich besonders auf Tätigkeiten von Redenschreibern wie das Verfassen von Büchern, Texten oder Fachartikeln im Auftrag und Namen anderer bezieht.
Arbeitsfelder und Zuordnung
Redenschreiber sind in Unternehmen, Politik, Verbänden, Verwaltung oder Wissenschaft in unterschiedlichen Bereichen tätig. Häufig sind sie in der Unternehmenskommunikation oder im Marketing beschäftigt, mitunter in der Unternehmensstrategie, Fachabteilungen oder aber sie sind dem persönlichen Stab der Führungskraft zugeordnet, für den sie tätig sind. In der Regel gehören zu ihrem Aufgabenspektrum weitere Tätigkeiten wie das Verfassen von Namensartikeln oder Briefen, die Erstellung von PR-Texten oder Konzepten oder die Betreuung von Events. Auch bei den freien Redenschreibern überwiegt die Zahl derjenigen, die neben dem Verfassen von Reden weitere kreative Dienstleistungen anbieten. Waren Redenschreiber in der Vergangenheit oft auf Zwischeninstanzen angewiesen, hat sich, nach Anbahnung der Kontakte - je nach Größe und Arbeitsstruktur des Auftraggebers häufig durch persönliche Referenten oder Pressesprecher - der direkte Kontakt zum Redner selbst und seine Beratung in Fragen der Rede als Regelfall durchgesetzt.
Fachliche Voraussetzungen, Ausbildungswege
Der Beruf des Redenschreibers ist grundsätzlich ein freier Beruf. Wenn dieser Beruf auch ein Bündel von spezifischen Kenntnissen und Fertigkeiten erfordert, so gibt es dennoch formal keine bindenden Eingangsprüfungen. Ein Studium ist ebenso wenig Voraussetzung wie eine abgeschlossene Berufsausbildung; zur Ausübung des Berufs werden neben Talent, sprachlicher Gewandtheit und Urteilsvermögen gleichwohl auch eine umfassende Allgemeinbildung sowie Fachkenntnisse benötigt, die in der Regel durch Abitur und Studium erworben werden. Die meisten Redenschreiber haben einen sprachwissenschaftlichen, politik- oder rechtswissenschaftlichen, journalistischen oder wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund. Einführungen in das Redenschreiben und Seminare für Anfänger und Fortgeschrittene werden von verschiedenen Anbietern wie privaten Akademien für Redenschreiber angeboten.
Gehälter und Honorare
Die Vergütung von Redenschreibern variiert je nach Länge der Rede, Aufwand für Materialsichtung, weiterführende Recherchen oder Interviews und Abstimmung, Bedarf an zusätzlichen die Rede begleitenden Medien (z.B. Präsentationen), sowie nicht zuletzt nach der beruflichen Erfahrung des Redenschreibers. Als Leitlinie für eine faire Vergütung hat der Verband der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) Honorarempfehlungen erarbeitet, die Auftraggebern wie Redenschreibern einen Orientierungsrahmen bieten.
Ethik
Redenschreiber tragen besondere Verantwortung für die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Wirkungen ihrer Arbeit. Sie schützen und pflegen die gute und freie Rede, die für demokratische Gesellschaftsordnungen wesentlich ist. Sie arbeiten für ihre Auftraggeber und Arbeitgeber auf Basis wechselseitigen Vertrauens und wahren Diskretion. Als Produzenten kreativer Geistesleistung fühlen sich Redenschreiber dem Schutz geistigen Eigentums besonders verpflichtet und machen Zitate kenntlich. Die Arbeit eines Redenschreibers findet in jedem Fall dort Grenzen, wo die Eigenständigkeit der Werke explizit gefordert ist. Unzulässige Hilfe bei der Erlangung akademischer Titel gehört nicht zu den akzeptablen Arbeitsfeldern von Redenschreibern. Gegenüber dem Redner fühlen sich Redenschreiber zur Einhaltung der "Prinzipien der Guten Rede" verpflichtet, worunter Klarheit und Wahrhaftigkeit der Botschaften ebenso zählen wie Ehrlichkeit, Redlichkeit und Verständlichkeit bei der Aufbereitung des Inhalts sowie eine Ausdrucksweise, die der Persönlichkeit und dem Anlass der Rede angemessen ist und die Interessen des jeweiligen Publikums berücksichtigt.
Interessenvertretung
Mit dem Verband der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) gibt es seit 1998 einen Berufsverband, der die Interessen der Redenschreiber im deutschen Sprachraum vertritt und sich für die Pflege der Redekultur einsetzt. Der VRdS dient den beruflichen Belangen seiner Mitglieder, setzt Maßstäbe für gute Reden und hat es sich zum Ziel gesetzt, Bekanntheit und Bedeutung des Berufs weiter zu steigern. Der Verband engagiert sich für eine systematische und begleitete Aus- und Fortbildung von Redenschreibern und hat ein Mentoringprogramm für angehende Redenschreiber aufgelegt. Gründungspräsident des Verbandes ist Dr. Thilo von Trotha; seit Mai 2010 wird der Verband von Dr. Vazrik Bazil geleitet.
Berufsbild als PDF:
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