Redenschreiber tun mehr, als nur Reden zu schreiben
Kolumne des Präsidenten, Juni 2011
Eine interne Umfrage unseres Verbandes im letzten Jahr hat ergeben, dass ca. 91 Prozent der Redenschreiberinnen und Redenschreiber nicht nur Redetexte verfassen. Sie schreiben Namensartikel, wichtige Briefe, PR-Texte, Pressetexte, Geschäftsberichte usw. Kurzum: Redenschreiber spielen auf der gesamten Klaviatur der sprachlichen Kommunikation. Dieses Ergebnis drängt uns die Frage auf, wie denn eine zeitgemäße Ausbildung für Redenschreiber, sowohl hauptberufliche als auch freiberufliche, aussehen sollte.
Auf dem freien Markt gibt es genügend Anbieter, die Interessenten handwerkliches Können beibringen. Auch die Curricula etlicher Lehrgänge für Journalisten oder PR-Leute beinhalten "Redenschreiben"-Kurse, die sich mit den grundlegenden Fertigkeiten des Berufes befassen.
Doch reicht dies nicht mehr aus: Erstens, weil die Mehrheit der Redenschreiber mehr tut als nur Reden zu schreiben und deshalb auf ein breiteres Wissen angewiesen ist, und zweitens, weil Rede als eines der mächtigsten Instrumente der Kommunikation nur vernetzt mit anderen Instrumenten ihre Wirkung am besten entfalten kann. Deshalb brauchen Redenschreiber auch Erkenntnisse über verschiedene Kommunikationsfelder.
Daher sollte ein zeitgemäßes Curriculum für Redenschreiber neben dem ersten Modul, handwerkliches Wissen, drei weitere Module umfassen:
a. Betriebwirtschaftliches Wissen. Insbesondere für Redenschreiber, die sich selbstständig machen wollen oder schon sind, ist dieses Wissen unentbehrlich - angereichert mit Marketingkenntnissen und Rechtswissen. Schließlich bieten auch einige PR-Lehrgänge ihren Studierenden ähnliche Kurse, die allerdings auf PR-Leute zugeschnitten sind.
b. Kommunikationswissen. Rede als Instrument spielt eine große Rolle auf mehreren Feldern, wie „Persönlichkeits-PR“, „Issues Management“, „Krisenkommunikation“, „Event-Management“ etc. Deshalb sind Kenntnisse über diese Bereiche notwendig, allerdings keine allgemeinen, sondern spezifische, aus Sicht der Redenschreiber relevante Kenntnisse. So müssen die genannten Felder erst aufbereitet und deren Inhalte neu geordnet werden.
c. Gesellschaftliches Wissen: Gute Redenschreiber wissen, dass nicht Zahlen, Daten und Fakten überzeugen, sondern deren Einbettung in einen Sinnzusammenhang. Dieses Modul sollte die aktuellen gesellschaftlichen Themen und Trends für Redenschreiber aufbereiten. Demografischer Wandel, Globalisierung, Migration usw. sind wiederkehrende Themen, die eigens beleuchtet werden sollten, damit Redenschreiber auch wirklich wissen, worüber sie schreiben und wie sie treffend argumentieren können. Hier geht es um bündige Sachkenntnisse über einige wenige, aber wichtige Themen.
Eine Ausbildung, die diese vier Module umfasst, verbessert die Qualität der Redenschreiber einerseits und steigert deren Einfluss in der Kommunikationsbranche andererseits. Es ist an der Zeit, die Ausbildungsfrage endlich anzugehen.
Ansprechpartner:
Dr. Vazrik Bazil
Präsident VRdS
c/o Auf der Steinkaule 7
D-53639 Königswinter
Email: bazil@vrds.de

